Oberbürgermeisterwahl 2020 - Zwickau

Zwickau nimmt als viertgrößte Stadt Sachsens, als eines der westlichen Oberzentren und als sehr hochentwickelter Wirtschaftsstandort eine bedeutende Rolle für die Region ein. Wir leben zusammen in einem der größten deutschen Verdichtungsgebiete, das zudem auch zu den wachstumsstärksten Gegenden der Republik gehört.

Wir als Bahninitiative Chemnitz und Fahrgastverband PRO BAHN begreifen unseren gemeinsamen Ballungsraum als ein kompaktes Gebiet und machen uns auch außerhalb der Stadtgrenzen von Chemnitz für bessere Schienenverkehrsverbindungen stark. Aus diesem Grund haben wir uns als Bahninitiative entschieden, eine kurze Kandidatenbefragung für die OB-Wahl in Zwickau durchzuführen.

Folgende Kandidaten wurden befragt:

Frau Köhler (CDU) = keine Antwort

Herr Gerold (AFD) = keine Antwort

Frau Brückner (DIE LINKE) = geantwortet

Frau Arndt (BfZ) = keine inhaltliche Antwort

Herr Jakob = keine Antwort

 

Wir Danken allen Teilnehmern für die erbrachten Antworten.

Benutzen Sie selbst regelmäßig die öffentlichen Verkehrsmittel? Wenn nicht: Was hält Sie (bisher) von der Mitfahrt ab?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Ich fahre gern mit dem Zug, vor allem wenn ich die Kinder besuche und am Wochenende Kultur und Natur mit der Familie genieße. Im Alltag ist für mich das Auto wichtig, nach der Arbeit wartet ehrenamtliche Arbeit und Familie und das zeitlich und örtlich zu koordinieren, geht nur mit dem Auto.“

Wie sehen Sie das aktuelle Angebot im städtischen Nahverkehr? Was läuft gut und was nicht?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Die Zwickauer lieben ihre Straßenbahn und sind auch stolz auf dieses Verkehrsmittel, was aber nur einen Teil des ÖPNVs stellt. Verbesserungswürdig ist natürlich vieles. Die Verwaltung sollte sich Gedanken machen, wie die Nachfrage nach Freizeitangeboten, die die Bürger zu Veranstaltungen und Events in die Stadt und sicher nach Hause bringen, realisiert werden kann. Dort klemmt der Schuh, wogegen ich denke, dassdie Grundversorgung der öffentlichen Verkehrsströme im beruflichen Alltag recht gut abgesichert ist. Was mir Sorgen bereitet, sind die umliegenden Gebiete, die immer weiter abgekoppelt werden. Hier müssten die Notwendigkeiten vielleicht auch kleinteiliger gedacht werden.Alle 5 Verkehrsverbünde in Sachsen und natürlich auch übergreifend zum schienengebundenen Regionalverkehr brauchen eine Neuausrichtung. Hier zu sagen, dass alles läuft, ist nicht richtig, wie es auch falsch wäre, alles Erreichte schlecht zu machen. Ich bin der Meinung, wenn sich alle Beteiligten auf die Fahne schreiben, aufeinander zuzugehen und hier mehr für die Bürger in den ländlichen Regionen zu tun, würde die ländliche Abkopplung von den Städten gebremst werden können.“

Wie sollte der ÖPNV Ihrer Meinung nach künftig in Zwickau aussehen?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Die Antwort ist schnell gegeben, barrierefreier Zugang und eine zuverlässig abgestimmte Taktung der Anschlüsse sollte es geben. Eine besser vernetzte und kleinteiligere Einteilung der Liniennetze im innerstädtischen Verkehr nach den Bedürfnissen der Bevölkerung, auch in die Randgebiete und die angrenzenden Regionen unserer Stadt.
Mir ist bewusst, dass ÖPNV nicht kostendeckend geführt werden kann, wir dürfen aber auch nicht die kleinen Stadtteile und Dörfer im Gürtel unserer Stadt vergessen. Mobilität so wie sie sich in großen Städten wie Leipzig und Dresden darstellt – ist durch unsere ländliche Lage und das geringere Beförderungsvolumen eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Hier sollten alle Konzepte in Verbindung von ÖPNV und Individualverkehr auch nach ökologischen Gesichtspunkten betrachtet werden.

Der Hauptbahnhof ist derzeit nicht mehr an das Straßenbahnnetz angebunden. Wie möchten Sie eine bessere
Anbindung des Hauptbahnhofes an den ÖPNV erreichen? Ist dafür Ihrer Meinung nach die Wiederanbindung an das Straßenbahnnetz erforderlich und wenn ja, wie wollen Sie diese erreichen und umsetzen?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Ich weiß, dass die derzeitige Streckenführung in Aderrn verläuft, was immer Umsteigen nötig macht.
Natürlich sollte der Bahnhof wieder einen Anbindung an die Straßenbahn erhalten. Im Moment ist der prognostizierte Kostenrahmen durch die lange Planungsphase nicht überschaubar. Die Kopernikusstraße ist eine Hauptverkehrsader zwischen Pölbitz/Weißenborn und Marienthal, wenn dort eine mehrjährige Baumaßnahme stattfindet, würde diese Ader unterbrochen. Ich bin nicht völlig gegen dieses Großprojekt, ich denke wenn sich der Kostenrahmen und die Projektdauer besser überschauen lässt, sollte nochmals über dieses Projekt geredet werden. Meine Befürchtung ist, dass der Zeitrahmen durch den Ankauf von fremden Grundstücken nicht gehalten werden kann und die Baukosten über das jetzt geschätzte Maß steigen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Vogtlandbahn von der Innenstadt aus auf den Bahnhof pendelt, nur dass die Taktzeiten von einer Stunde dieses Angebot nicht abdeckt, aber vielleicht regt es kreative Leute an, Vorhandenes besser zu nutzen oder gar auszubauen. In Chemnitz ist ein ähnliches System erfolgreich in Betrieb und wird von den Fahrgästen sehr gut angenommen

Wie möchten Sie den ÖPNV in Zwickau für die Nutzer verbessern?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Wer schon mal mit verschiedenen Verkehrsmitteln unterwegs war, kennt das Drama um Fahrplan und Anschlussverkehrsmittel.Eine wichtige Frage ist für mich, wie Menschen mit Bewegungseinschränkungen den ÖPNV nutzen können. Hier sollten wir viel mehr tun, um diesen Bürgerinnen und Bürgern auch weitere Möglichkeiten zu bieten, einzusteigen. Eine weitere Frage betrifft diebesser vernetzte Taktung der Verkehrsmittel und ein höheres Angebot von Individuallösungen ab den Haltepunkten von Bussen und Bahnen, so wie Zügen. Das würde die Mobilität der Bevölkerung erhöhen. Ich denke, ein umfassendes Verkehrskonzept der Region, auch in den Thüringer Raum hinein, sollte mit den Partnern von Deutscher Bahn, Transdev und seinen Unternehmen und auch den Verkehrsverbünden auf eine ganz neue Ebene gestellt werden. Eine Kulturlinie von Dresden über Zwickau Richtung Jena, Weimar und Erfurt wäre bestimmt ein Gewinn für die Region.. Ein gutes Vorbild stellt für mich das System um Dresden (trilex) dar, was sogar die beiden angrenzenden Länder Polen und die Tschechische Republik anbindet. Die Fahrkarten zu den Sehenswürdigkeiten oder Kulturveranstaltungen der beiden Länder werden über ein „Kulturticket” direkt mit der Fahrkarte bei der Touristeninformation verkauft. Den Fahrplan bekommen die Interessenten gleich noch dazu.

Welche Bedeutung hat nach Ihrer Meinung ein attraktives Tarifsystem im ÖPNV und wie sollte es aussehen?
Unterstützen Sie die Einführung eines 365-Euro-Tickets?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Alle streiten um das 365 Euro Ticket, ich sehe darin eine Vision für die Zukunft, Menschen zu bewegen, um kostengünstig, aber regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit. Dafür müssen wir die notwendigen Schritte tun, um Attraktivität in die Nutzung der Verkehrsmittel zu bringen. Es muss schneller und bequemer sein, als das Auto zu benutzen. Dann könnte auch aus dieser Idee Wirklichkeit werden. Diese Visionen müssen weiter gedacht werden, damit Mobilität für alle möglich ist. Zwickau ist eine Hochburg der Auto- bzw. Fahrzeugentwicklung, wir haben helle Köpfe an der Hochschule, deren Potential für neue Arten der Fortbewegung muss genutzt werden.

Welche Vor- und Nachteile hat Ihrer Meinung nach der Betriebsführungs- und Managementvertrag zwischen den (kommunalen) Städtischen Verkehrsbetrieben Zwickau GmbH und der zur privaten Tansdev-Gruppe gehöhrenden Regionalverkehr Westsachsen GmbH? Sollte er weitergeführt werden?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Dieser Vertrag ist in der Öffentlichkeit nicht einsehbar, weshalb ich mich nicht dazu äußern kann. Aus Ihrer Fragestellung entnehme ich, dass es vielleicht offene Fragen in der Zusammenarbeit gibt.“

Wie bewerten Sie die aktuelle Bahnanbindung von Zwickau?

 

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Die Bahnanbindung ist ausbaufähig. Die Anbindung nach Dresden und Leipzig ist ganz gut, auch in Richtung Bayern funktioniert die Verbindung. Hingegen haben Pendler aus Richtung Thüringen in unsere Stadt wenig Möglichkeiten, die Bahn als Verkehrsmittel zu nutzen. Wir müssten die Möglichkeiten schaffen, auch über die Grenzen der Verkehrsverbünde hinaus Verbindungen schneller und bedarfsgerechter zu etablieren. Dazu brauchen die Mitfahrenden den guten Willen und auch Angebote. Alle beteiligten Unternehmen gehören an den Tisch, um Zwickau wieder besser anzubinden“

Welche Bahnverbindung würden Sie sich für Zwickau wünschen und wie werden Sie zu einer schnelleren Verbesserung der Situation beitragen

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Eine Zuglinie Richtung Westen, ich hatte diese oben Kulturlinie benannt – könnte schon für die Studierenden aus Richtung Erfurt, Weimar und Jena weiterführend Richtung Chemnitz Dresden viel Verbesserung bringen.

Die Bahnverbindung RE1 in Thüringen (Göttingen-Erfurt-Gera) soll noch in diesem Jahr neu ausgeschrieben werden. In diesem Zusammenhang besteht die Möglichkeit neben Chemnitz auch die Stadt Zwickau an den ICE-Knoten Erfurt anzubinden. Welche Bedeutung hat diese Verbindung für Zwickau und wie würden Sie sich für diese Verbindung stark machen?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Ich denke diese Verbindung würde mir aus dem Herzen sprechen. Unterstützenswert ist alles, was Zwickau auch wieder an die Schienen anbindet.“

Der Hauptbahnhof in Zwickau ist derzeit in einem baulich schlechten Zustand. Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial für den Verkehrsknoten Zwickau und wie würden Sie diese Verbesserungen unterstützen?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Der Hauptbahnhof soll in den kommenden Jahren eine Sanierung durch die Deutsche Bahn erhalten, wir können nur den Bahnhofvorplatz und den Verkehrsknoten der städtischen Verkehrsanbindungen beeinflussen, wenn wir daraufhin wirken, dass neue Strecken nach Zwickau kommen, wird sich auch die Frage der Attraktivität von Zwickau und dem Umfeld mit lösen lassen. Wir sollten hier nicht das klein, klein denken, sondern mit der ganzen Region ins Gespräch gehen.“

Wie sehen Sie die Zukunft des „Zwickauer Modells“?

Ute Brückner (DIE LINKE)

„Zuerst sollten wir den Lesern mal sagen, was das Zwickauer Modell bedeutet: „Als Zwickauer Modell wird ein Pilotprojekt zur Verknüpfung zwischen Straßenbahn und Eisenbahn bezeichnet, bei dem nach Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) zugelassene und nur geringfügig an die Besonderheiten der Straßenbahn angepasste Eisenbahnfahrzeuge auf Straßenbahngleise übergehen können.”
Ich finde die Idee gut, wenn wir uns einmal bei unseren europäischen Nachbarn umschauen finden wir noch mehr solcher innovativen Ideen. Zum Beispiel in der Urlaubsregion Alicante/Spanien, dort fährt eine Straßenbahn zwischen den Besucher-/Touristenmagneten Bellidorn an der Costa Blanca bis nach Allicante in den Regionalflughafen über fast 100 Kilometer und verbindet kleinere Orte über Land miteinander. Ich denke solche Dinge könnten mehr probiert werden, um nicht nur von Haltepunkt zu Haltepunkt zu denken.
Eine engere Vernetzung diverser Verkehrsmittel ist die Zukunft unserer Mobilität. Dafür müssen wir in der Politik die Rahmenbedingungen schaffen und natürlich Wissen und Innovationskraft bündeln. Wir haben das Glück, dass wir einen großen europäischen Autohersteller im Gebiet unserer Stadt haben, eine Hochschule mit der Orientierung Verkehr, somit könnten alle Vorteile einer modernen und umweltbewussten Mobilität auch hier in der Region ausgespielt werden.