Ausgangslage und Ziel

Unsere Stadt und Region Chemnitz zählt mit gut 1,2 Millionen Einwohnern zu den größten Gebieten der Bundesrepublik ohne Fernbahnanschluss. Im gesamten Einzugsbereich existieren weder Fernverkehrsbahnhöfe noch angemessene Zubringerlinien in Richtung benachbarter Eisenbahndrehkreuze.

Hiermit legen wir als Bahninitiative Chemnitz einen Strategieplan vor, durch dessen Umsetzung die Anbindung der Stadt und Region Chemnitz schon kurzfristig deutlich verbessert wird. Wir zeigen detailliert auf, wie eine Fernbahnanbindung noch vor dem Kulturhauptstadtjahr und früher als es der Zeithorizont der Deutschen Bahn für den „Neuen Fernverkehr“ ab dem Jahr 2032 vorsieht, möglich werden kann.

Dabei beruht dieses Sofortkonzept „Fernbahn 21“ auf drei Handlungsbereichen, bei denen 2021/ 2022 die Weichen für eine bessere Bahnanbindung zu stellen sind. Es ist als ein erstes Maßnahmenbündel für eine bessere Fernbahnanbindung zu verstehen und wird von weiteren angepassten Zielkonzepten größerer Zeithorizonte abgelöst, mit welchen die vollständige Fernbahnnetz-Einbindung der Stadt und Region Chemnitz schrittweise zu erreichen ist.

Handlungsfelder im Sofortkonzept „Fernbahn 21“

1#     Ausbau und Elektrifizierung der Strecke Leipzig – Chemnitz

Der Leipziger Hauptbahnhof bildet den wichtigsten Anschlusspunkt für die Stadt und Region Chemnitz an den hochwertigen Eisenbahnfernverkehr aus Intercity (IC) und Intercity-Express (ICE). Ab 2022 besteht dort auch Umsteigemöglichkeit zum Nachtreisezug Nightjet (NJ) nach Berlin, Frankfurt und Zürich. Selbst zu Zielorten der internationalen Luftfahrt mit gesichertem Anschluss am Frankfurt Airport, kann dank der nun angebotenen Lufthansa Express Rail-Verbindungen (LH) ab Leipzig HBF durchgebucht werden.

Aufgrund des hohen Anteils eingleisiger Streckenabschnitte und fehlender Elektrifizierung ist Chemnitz allerdings nur sehr unzureichend an diesen Bahnkonten angebunden. Spürbar sind dabei vor allem die schlechten Anschlussbeziehungen in Leipzig, unter anderem jene nach Berlin. Eine aktuell mangelhafte Angebotsqualität, insbesondere die Einstiegshöhe, die fehlende Klimatisierung und die Brems-Akustik des eingesetzten Wagenmaterials, vermindert den Reisekomfort darüber hinaus erheblich.

Derzeit werden die Planungen zur Erweiterung der Eisenbahninfrastruktur durchgeführt, bei denen, neben abschnittsweisen Gleisergänzungen, auch die Anbindung der Stadt Rochlitz mit berücksichtigt wird. Sowohl für den zukünftig geplanten Halbstundentakt des Regional-Express (RE) zwischen Chemnitz und Leipzig, als auch für die vorgesehene zweistündliche IC-Linie zwischen Chemnitz und Norddeich-Mole bzw. Wilhelmshaven, ist jedoch die durchgehende Erweiterung auf zwei Gleise und eine Elektrifizierung der gesamten Strecke über Bad Lausick erforderlich.

Ausbau:

Die Bahninitiative Chemnitz fordert die für die Sicherstellung des langfristigen Betriebsprogramms nötigen infrastrukturellen Maßnahmen schon jetzt mit einzuplanen und deren Umsetzung in die Finanzierungsvereinbarungen zwischen Bund und dem Freistaat Sachsen aufzunehmen – allem voran den kompletten doppelgleisigen Ausbau einschließlich Elektrifizierung. Im Vergleich zur gegenwärtigen Planung sollte zunächst mindestens die Errichtung des Parallelgleises im Rahmen der Projektumsetzung auf dem Abschnitt zwischen Cossen und Burgstädt zusätzlich in die Vorhabenplanung aufgenommen werden. Der vorliegende Infrastruktur-Planungsstand erlaubt kein stabiles Fahrprogramm unter Berücksichtigung von obligatorischen Anschlussgewährungen der Intercity-Linie auf dem Weg von Ostfriesland nach Leipzig. Momentan ist für den Streckenteil Burgstädt – Cossen lediglich die Berücksichtigung einer späteren Ergänzung des zweiten Gleises auf diesem bereits früher doppelgleisigen Bereich vorgesehen. Die dadurch wesentlich eingeschränkte Begegnungsmöglichkeit der Züge, brächte erhebliche Auswirkungen regelmäßiger, ungeplanter Verzögerungen des Fernverkehrs auf den Regionalverkehr mit sich. Nicht zuletzt lässt sich die in der jetzigen Vorplanung angedachte Eingleisigkeit im besagten Abschnitt auch weder mit der anvisierten Verlängerung der Chemnitz Bahn (C-Bahn) nach Rochlitz, noch mit einer möglichen Ausweitung des S-Bahn-Verkehrs über Geithain hinaus bis nach Chemnitz vereinbaren.

IC56 [DT: FR14]:

… – Leipzig – Chemnitz

im 2-Stunden-Takt

 RE6:

Chemnitz – Narsdorf – Bad Lausick – Leipzig

im 30-Minuten-Takt
(Substitution je eines RE durch IC)

RB113:

Leipzig – Bad Lausick – Geithain – Narsdorf und/ oder
S-Bahn: … – Leipzig – Borna – Geithain – Narsdorf (- Burgstädt – Chemnitz)

im 60-Minuten-Takt

C13:

… – Chemnitz – Burgstädt – Narsdorf – Rochlitz im
und/ oder
S-Bahn: … – Leipzig – Grimma – Rochlitz – Narsdorf (- Burgstädt – Chemnitz)

60-Minuten-Takt

C13:

… – Chemnitz – Burgstädt – Narsdorf – Rochlitz im
und/ oder
S-Bahn: … – Leipzig – Grimma – Rochlitz – Narsdorf (- Burgstädt – Chemnitz)

60-Minuten-Takt

2#     Anbindung nach Berlin

Die Bundeshauptstadt Berlin ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell und touristisch
von großer Bedeutung. Neben Frankfurt, Hamburg und München bildet Berlin einen der
wichtigsten Verkehrsknoten in Deutschland und spielt für die Anbindung der Stadt und Region
Chemnitz eine übergeordnete Rolle.
Mit dem jüngst eröffneten Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) bekommt
Deutschland ein drittes internationales Luftfahrtdrehkreuz. Der BER ist der mit weitem Abstand
einzige internationale Großflughafen, von welchem aus es überhaupt realisierbar ist, Chemnitz
innerhalb von zweieinhalb Stunden bequem auf Schienen zu erreichen.

Betriebskonzept:

Für eine Anbindung nach Berlin gibt es mehrere Varianten, wobei nur die Zusatzzüge der
Variante 0 und die verlängerten RB45 der Variante 1a/b sowie die in den Varianten 5 und 6
dargestellten Intercity-Optionen eine direkte Anbindung an den Flughafen BER bieten. Für die
Stadt und Region Chemnitz ist eine stündliche Verbindung anzustreben, die den Flughafen BER
und die Innenstadt von Berlin erschließt.

Variantenvergleich

Varianten-Facs

Route bis Berlin über:

Riesa – Elsterwerda – Flughafen BER – Berlin Ostkreuz

Fahrtziel:

Berlin Hauptbahnhof

Angebot:

Regionalverkehr

Beteiligte Linie/ Linien:

enfällt

Reisezeit nach Berlin Hauptbahnhof:

~ 3 Std., wie Kultursonderzug 2020

(Ohne Fahrt über Flughafen BER 2 1/2 Stunden)

Reisezeit zum Flughafen BER:

~ 2 1/2 Std.

Takt:

nach Bedarf

Betriebskonzept:

Hierbei handelt es sich um die Betriebsaufnahme einer vollkommen neuen Regionalverkehrslinie der Gattung RE oder Interregio-Express (IRE) zwischen Chemnitz und Berlin. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und der Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS) müssten diese aus dafür von den Ländern aufzustockenden Mitteln finanzieren. Mit mindestens 160 Km/h schnellen Zügen, wie jenen zwischen Dresden und Berlin verkehrenden IC-Triebwagen, wäre beispielsweise die Strecke über Falkenberg und Jüterbog – allerdings ohne Einbindung des BER – realistisch durchgerechnet derzeit sogar in 2 ¼ Stunden zurückzulegen. Ein vorhandener VMS-eigener Triebwagen aus dem Elektronetz Mittelsachsen benötigt zwischen Chemnitz und Berlin, wie bereits im Dezember 2019 anlässlich einer öffentlichen Sonderfahrt mit Halt in Döbeln und Riesa praktiziert, gut zweieinhalb Stunden Fahrzeit*..

Varianten-Facs

Route bis Berlin über:

Riesa – Elsterwerda – Flughafen BER – Berlin Ostkreuz

Fahrtziel:

Berlin Hauptbahnhof

Angebot:

Regionalverkehr

Beteiligte Linie/ Linien:

RB42 (Chemnitz – Riesa – Elsterwerda) + Zusatzabgebot

Reisezeit nach Berlin Hauptbahnhof:

~ 3 1/2 Std.

Reisezeit zum Flughafen BER:

~ 3 Std.

Takt:

~ 1 – 4 Std.

Betriebskonzept:

Es besteht die Möglichkeit, die derzeitige Linie RB45 (Chemnitz – Elsterwerda) in einer der
Nachfrage entsprechend regulierbaren Taktung über Berlin BER bis nach Berlin HBF zu
verlängern. Zum Teil beginnen und enden die Fahrten regulär in Riesa. Unter Zugrundelegung
dieser Tatsache kann der Ergänzungsteil nach Berlin von Riesa aus flexibel über Elsterwerda –
Doberlug-Kirchhain – Luckau-Uckro (Var. 1a) oder über Falkenberg – Herzberg – Jüterbog –
Luckenwalde (Var. 1b) geführt werden. Den betrieblichen Erfordernissen entsprechend kann
auch eine wechselseitige Befahrung durchführbar sein.

Varianten-Facs

Route bis Berlin über:

Riesa – Elsterwerda – Jüterbog – Berlin Ostkreuz

Fahrtziel:

Berlin Hauptbahnhof

Angebot:

Regionalverkehr

Beteiligte Linie/ Linien:

RB42 (Chemnitz – Riesa – Elsterwerda) + Zusatzabgebot

Reisezeit nach Berlin Hauptbahnhof:

~ 3 1/4 Std.

Reisezeit zum Flughafen BER:

~ 2 3/4 Std.

Takt:

~ 1 – 4 Std.

Betriebskonzept:

Es besteht die Möglichkeit, die derzeitige Linie RB45 (Chemnitz – Elsterwerda) in einer der
Nachfrage entsprechend regulierbaren Taktung über Berlin BER bis nach Berlin HBF zu
verlängern. Zum Teil beginnen und enden die Fahrten regulär in Riesa. Unter Zugrundelegung
dieser Tatsache kann der Ergänzungsteil nach Berlin von Riesa aus flexibel über Elsterwerda –
Doberlug-Kirchhain – Luckau-Uckro (Var. 1a) oder über Falkenberg – Herzberg – Jüterbog –
Luckenwalde (Var. 1b) geführt werden. Den betrieblichen Erfordernissen entsprechend kann
auch eine wechselseitige Befahrung durchführbar sein.

Varianten-Facs

Route bis Berlin über:

Riesa – Elsterwerda – Doberlug-Kirchhain – Berlin Südkreuz

Fahrtziel:

Wismar

Angebot:

Regionalverkehr

Beteiligte Linie/ Linien:

RB42 (Chemnitz – Riesa – Elsterwerda) + RE8 (neu VBB ab 2022)

Reisezeit nach Berlin Hauptbahnhof:

~ 3 1/2 Std.

ab 2025:

~ 3 1/4 Std.

Reisezeit zum Flughafen BER:

entfällt

Takt:

ab 2 Std.

Betriebskonzept:

Zum Jahr 2022 wird das SPNV-Liniennetz des VBB teilweise neu strukturiert. Demnach
verbindet die neue Linie RE8 Elsterwerda bzw. abwechselnd Finsterwalde (Niederlausitz) mit
Berlin, Wittenberge und Wismar. Auf Berliner Flur werden unter anderem Potsdamer Platz,
Jungfernheide und Spandau bedient. Diese Verbindung könnte im Zweistundentakt bis nach
Chemnitz verlängert werden und würde Chemnitz direkt an Berlin und Norddeutschland
anbinden. Nach Abschluss der Bauarbeiten an der Dresdner Bahn und der Vereinigung der bis
dahin noch geteilten Streckenäste, entstünde eine der längsten Regionalexpressverbindungen
in Deutschland.

Varianten-Facs

Route bis Berlin über:

Riesa – Elsterwerda – Jüterbog  – Berlin Südkreuz

Fahrtziel:

Stralsund/ Schwedt

Angebot:

Regionalverkehr

Beteiligte Linie/ Linien:

RB45 (Chemnitz – Riesa – Elsterwerda) + RE3 des VBB

Reisezeit nach Berlin Hauptbahnhof:

~ 3 1/4 Std.

Reisezeit zum Flughafen BER:

entfällt

Takt:

ab 2 Std.

Betriebskonzept:

Die bekannte Linie RE3 verkehrt aus der Hansestadt Stralsund bzw. Schwedt (Oder) kommend,
über Angermünde, Eberswalde, Berlin-Gesundbrunnen, Berlin-Potsdamer Platz und
Ludwigsfelde nach Jüterbog. Von dort aus geht es alternierend weiter nach Lutherstadt
Wittenberg bzw. nach Falkenberg (Elster). Während der Hauptverkehrszeiten werden die Züge
bereits nach Elsterwerda-Biehla verlängert. In Elsterwerda besteht zwischen der Strecke nach
Falkenberg und jener nach Riesa kein Schienenweg. Anstelle dessen steht eine direkte
doppelgleisige und elektrifizierte Verbindung zwischen Falkenberg und Riesa zur Verfügung,
über welche die Distanz zudem sogar mit einem erfreulichen Zeitgewinn zurückgelegt werden
kann. Ab Falkenberg könnten daher wenigstens alle Fahrten in den Nebenverkehrszeiten über
Riesa bis Chemnitz verlängert werden. Innerhalb von dreieinviertel Stunden wäre somit das Herz
der Spreemetropole Berlin vom Chemnitzer Hauptbahnhof aus erreichbar.

Varianten-Facs

Route bis Berlin über:

Riesa – Elsterwerda -Senftenberg – Berlin Ostkreuz

Fahrtziel:

Dessau- Roßlau

Angebot:

Regionalverkehr

Beteiligte Linie/ Linien:

RB45 (Chemnitz – Riesa – Elsterwerda) + RE7 (neu im VBB ab 2022)

Reisezeit nach Berlin Hauptbahnhof:

~ 3 3/4 Std.

Reisezeit zum Flughafen BER:

entfällt

Takt:

ab 1 Std.

Betriebskonzept:

Der RE7 nach Dessau-Roßlau kommt ab 2022 stündlich aus Senftenberg. Auf seinem Weg
erreicht er zum Beispiel Calau (Niederlausitz), Lübbenau und Lübben (Spreewald), Brand
Tropical Islands, Königs Wusterhausen, Berlin-Zoologischer Garten, Berlin-Charlottenburg,
Berlin-Wannsee, Potsdam-Medienstadt Babelsberg und Bad Belzig. Durch eine Verlängerung
Chemnitz – Elsterwerda – Ruhland – Senftenberg ließe sich die Hauptstadt der Bundesrepublik
von der Stadt der Moderne aus umsteigefrei bereisen.

Varianten-Facs

Route bis Berlin über:

Freiberg – Dresden – Elsterwerda – Berlin Südkreuz

Fahrtziel:

Rostock- Warnemünde

Angebot:

Fernverkehr

Beteiligte Linie/ Linien:

DT: „FR4″ + FR7“ (IC17)

Reisezeit nach Berlin Hauptbahnhof:

~ 3 1/4 Std.

~ 2 3/4 Std. im Deutschlandtakt

Reisezeit zum Flughafen BER:

~ 2 3/4 Std.

~ 2 1/2 Std. im Deutschlandtakt

Takt:

einzelne Züge **

Betriebskonzept:

Die neu eingerichtete Intercity-Linie 17 (Rostock-Warnemünde – Berlin – BER – Dresden),
welche eigenwirtschaftlich durch die DB Fernverkehr AG betrieben wird, könnte mit
vorübergehenden finanziellen Zuschüssen durch den Freistaat Sachsen solange nach Chemnitz
verlängert werden, bis der durchgehende von der Deutschen Bahn AG geplante komplett
eigenwirtschaftliche Verkehr auf der Strecke über Chemnitz nach München aufgenommen
wird**. Mit der mindestens im Zweistundentakt verkehrenden Linie würde Chemnitz innerhalb
von zweieinhalb Stunden an den Flughafen BER angebunden und zuzüglich weiterer 20 Minuten
auch an den Berliner Hauptbahnhof. Bis zur Fertigstellung der Dresdner Bahn werden dahin
noch dreieinviertel Stunden (2 ¾ bis BER) benötigt.

Varianten-Facs

Route bis Berlin über:

Freiberg – Dresden – Elsterwerda – Berlin Südkreuz ***

Fahrtziel:

Berlin Hauptbahnhof (+ Stettin/ Binz)

Angebot:

Fernverkehr

Beteiligte Linie/ Linien:

DT: „FR7“ (+ „FR1″/ „FR3“)

Reisezeit nach Berlin Hauptbahnhof:

~ 3 Std.

~ 2 1/2 Std. im Deutschlandtakt

Reisezeit zum Flughafen BER:

~ 2 1/2 Std.

~ 2 1/4 Std. im Deutschlandtakt

Takt:

perspektivisch ab 2 Std.

Betriebskonzept:

In diesem Fall wird die vereinigte Führung von immer zwei Zugteilen mit unterschiedlichen
Abfahrts- und Ankunftsorten vorgesehen***. Konkret betrifft das jeweils einen kompatiblen
Teilzug aus Chemnitz, welcher an bestimmten Unterwegsbahnhöfen mit folgenden
Verbindungen verknüpft werden kann:
– mit „FR7“ [IC17] zwischen Elsterwerda und BER, Berlin Südkreuz, Berlin HBF oder Berlin
Gesundbrunnen und gegebenenfalls weiter
– mit „FR1“ Cottbus – BER – Berlin HBF – Angermünde – Szczecin/ Stettin (laut
Deutschlandtakt-Entwurf ebenfalls 160 Km/h-Fahrzeuge wie auf „FR7“)
oder unter Umständen ab Berlin Südkreuz, Berlin HBF oder Berlin Gesundbrunnen auch weiter
– mit „FR3“ Leipzig – Bitterfeld – Lutherstadt Wittenberg – Berlin HBF – Angermünde –
Hansestadt Stralsund [– Ostseebad Binz] (laut D-Takt allerdings 200 Km/h schnelle Fahrzeuge
vorgesehen).

* Sprinterverbindung mit besonders wenigen Zwischenhalten

** kurzfristig nur einzelne Züge als Vorlaufbetrieb, ab Beginn der künftigen Durchbindung über Regensburg nach München: Zweistundentakt auf der Relation München – Dresden (- Berlin),  zum Dezember 2022 von der Deutschen Bahn unter Voraussetzung der jedoch noch nicht terminierten Elektrifizierung Hof – Regensburg vorgesehen;
DT = Deutschlandtakt, FR = Fernverkehr oder schneller Regionalverkehr laut DT, FR7 nach derzeitigem Stand (Zielfahrplan DT – dritter Gutachterentwurf) über Flughafen BER

Zusatzinformation: Reisezeit im reinen Fernverkehr (1-Std.-Takt) DD HBF <-> B HBF mit DTPlanlinie „FV3a/b“ in ~1 ¼ Std., nach laufenden Bauarbeiten der DBAG 1 ½ Std. (derzeit noch 1
¾ Std.), Umstieg am Bahnhof B-Südkreuz in Flughafen-Shuttle (¼-Std.-Takt von Berlin HBF) zum
Flughafen BER, Fahrzeit < ¼ Std.

*** Züge auf Abschnitt Elsterwerda – Berlin mit „FR7“ [IC17] vereinigt verkehrend

Die Taktfolge aller möglichen Varianten ist in einer Weise zu gestalten, dass (in Summe der Kombinationen aus den angebotenen Verbindungen) ein stündliches Fahrtangebot Chemnitz <–> Berlin entsteht.

Vorzugsvarianten:

Werden alle Möglichkeiten betrachtet, so sind die Varianten 0 und 1a/b eindeutig zu
bevorzugen. Neben der direkten Anbindung an den Flughafen BER und den HBF Berlin,
überzeugen diese auch mit einer im Vergleich zum Intercity dichteren Taktoption und der
schnellen Umsetzbarkeit. Zudem bieten sie durch ihre mindestens nördlich von Riesa/
Elsterwerda eigenständige Fahrplantrasse, einen deutlichen Reisezeitvorteil und auch die
einzige Chance sowohl zum BER als auch zum Ostbahnhof, dem Alexanderplatz und der Station
Friedrichstraße zu gelangen (alternativ über Gesundbrunnen). Sie stellen einen akzeptablen
Kompromiss zwischen den komfortablen aber kostspieligen Varianten 5 bzw. 6 und den
bestenfalls zwar kostenneutralen, allerdings langsameren Varianten 2 bis 4 ohne BERAndienung dar.
Aufgrund der derzeit ungenügenden Infrastruktur zwischen Chemnitz und Leipzig wurden für
das Sofortkonzept „Fernbahn 21“ keine Verbindungen über Leipzig berücksichtigt.

Umsetzung:

Die Umsetzung der Variante 0 und 1a/b ist schon ab 2022 möglich und ergibt, zumindest bis
zum Ende des laufenden Verkehrsvertrages mit dem derzeit beauftragten
Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) für die RB45 im Dezember 2030, ein zusätzliches
Angebot zwischen Chemnitz und Berlin. Ab der daran anschließenden Zeit oder dem Zuschlag
im anstehenden Vergabeverfahren des VBB an das selbe EVU könnte es sich anbieten, eine
betriebliche Verknüpfung von RE8, RE3 oder RE7 und der RB45 zu erwirken. Zur folgenden
Ausschreibungsperiode wäre das Verfahren so zu organisieren, dass es nur eine Ausschreibung
unter Leitung von VBB oder ZVMS für die Gesamtstrecke gibt. Dabei ist jedoch unbedingt zu
bedenken, dass es sich bei den im VBB-Gebiet erbrachten RE-Leistungen um solche handelt,
die außerhalb von Berlin alle bzw. nahezu alle Verkehrsstationen bedienen. In Sachsen werden
solche Verkehre üblicherweise von den Zuggattungen Regionalbahn (RB), S-Bahn oder Chemnitz
Bahn erbracht.
Als sehr vorteilhaft für die Zukunft der Varianten 1 bis 4 erweist es sich, dass das Liniennetz der
Regionalstadtbahn des integrierten Verkehrssystems Chemnitzer Modell (C-Bahn) ab der
Verfügbarkeit zusätzlicher Triebwagen bis Döbeln erweitert wird. Auf diese Weise wird die
Fahrzeit der Regionalbahn zwischen Chemnitz und Döbeln durch noch weniger Halte weiter
verkürzt, da die Chemnitz Bahn C14 dann auch die Bedienung aller auf dem Abschnitt
Mittweida – Döbeln von der RB ausgelassenen Stationen übernimmt. Unmittelbar daraus ergibt
sich die Aufwertung der Zuggattung von RB zu RE. Gegenwärtig läuft das
Ausschschreibungsverfahren für die Herstellung der nötigen Triebfahrzeuge für die C-Bahn.
Bis auf die Varianten 5 und 6 können alle Verbindungen durch die jeweiligen Aufgabenträger als
Regionalverkehr bestellt werden.
Für eine schnelle Umsetzung der Varianten 5 und 6 sind alternative Finanzierungsmodelle
durch den Freistaat Sachsen gefordert. Hier sollte auf ein jeweils zweistündliches Angebot
zwischen Chemnitz und Berlin geachtet werden, ohne dass dabei im Falle der Variante 5
Regionalverkehrsleistungen zwischen Hof und Dresden entfallen.
In Vorbereitung der Inbetriebnahme des Münchener Streckenteils ist unbedingt die dauerhafte
Durchbindung aller Fahrten von und zur Rostocker Linie in Dresden einzuplanen.
Der Variante 6 liegt ein Flügelkonzept zugrunde, welches je nach betrieblichen Notwendigkeiten
auch auf das Gebiet zwischen Berlin und Ostsee ausgedehnt werden kann.

3#     Anbindung nach Erfurt / Göttingen

Erfurt gilt, nicht zuletzt dank der Neubaustrecke Nürnberg – Halle/ Leipzig, als der vorrangige ICE-Knoten für ganz Mitteldeutschland. Von Chemnitz aus innerhalb von nicht ganz zweieinhalb Stunden erreichbar, liegt der Erfurter Hauptbahnhof auf der sogenannten Mitte-DeutschlandVerbindung (MDV), auf welcher das Ruhrgebiet und die Region Südwestsachsen perspektivisch wieder durchgehend miteinander verbunden werden wird. Im ICE gelangt man aus der Thüringer
Landeshauptstadt unter anderem mehrmals pro Stunde nach Frankfurt (M), München und Nürnberg sowie mindestens zweistündlich nach Augsburg, Mainz, Mannheim, Stuttgart und Wiesbaden. Für internationale Ziele steht schon jetzt ab der Stadt im Geratal Lufthansa Express Rail (LH) mit nahtlosem Übergang am Frankfurt Airport zur Verfügung. Eine direkte Linie zwischen Erfurt und Chemnitz würde nicht nur zwei wichtige Wirtschaftsstandorte aneinander koppeln, sondern auch Südthüringen mit der bedeutenden Industrie- und Universitätsstadt Jena und dem Oberzentrum Gera mit unserer Stadt und Region Chemnitz verknüpfen.

Betriebskonzept:

Das Sofortkonzept „Fernbahn 21″ sieht die Verlängerung des Regional-Express RE1 TH bis nach Chemnitz vor. Dieser würde weiter im Zweistundentakt von Göttingen über Erfurt bis Chemnitz verkehren und somit regelmäßige umsteigefreie Verbindungen bieten. Während in Erfurt auch Anschluss an den stündlichen Regional-Express nach Kassel besteht, gelangt man von Göttingen aus zum Beispiel mit vielen ICE-Linien weiter nach Hannover und
Bremen.In Chemnitz gibt es aus Thüringen kommend wiederum Übergang zum RE nach Dresden.

Umsetzung:

Ende des Jahres 2020 wurde die Erbringung der Verkehrsleistungen für den nächsten vordefinierten Zeitraum auf der Verbindung RE1 TH neu ausgeschrieben. Optional wurde eine Verlängerung von Glauchau bis nach Chemnitz angeboten. Diese Option wurde jedoch aus Kostengründen durch den ZVMS nicht gezogen. Nach aktuellen Planungen soll der RE1 TH weiterhin in Glauchau enden.
Die Bahninitiative Chemnitz fordert die Verlängerung des RE1 TH bis nach Chemnitz ab Dezember 2021. Dazu müsste die in der Ausschreibung enthaltene Verlängerungsoption umgesetzt und finanziert werden. Die infrastrukturellen Voraussetzungen sind bereits vorhanden.

Bündniss und Netzwerk der Bahninitiative Chemnitz